Montag, 18. Juni 2012

Zurück


Ein Schuljahr in Costa Rica ist vorbei. 212 Tage IB1. 5088 Stunden UWC Erfahrungen. Eine Zeit so reich an „Ups and Downs“, an Inspiration, an De- und Motivationen, an allem auf einmal. Und trotzdem nur ein Jahr? UWC rechnet nicht im normalen Raum-Zeit Kontinuum. Es nimmt sich das Recht die Gesetze auf den Kopf zu stellen und Jeden und Alles das sich in seiner Blase befindet kräftig durchzuschütteln. So viel ist passiert und ich entschuldige mich dass ich es in dieser ganzen Zeit nur ein einziges Mal fertig gebracht habe Euch davon zu berichten. Mal fehlte mir die Zeit, mal waren andere Ablenkungen einfach zu verführerisch und oftmals fehlten mir schlichtweg die Worte um zu beschreiben was vor sich ging.

Gestern bin ich von dem deutschen „Zero-First Year Wochenende“ zurückgekommen. Tage auf die ich zuvor mit gemischten Gefühlen geblickt hatte; war ich doch gerade erst bei meinen Freunden und meiner Familie angekommen, nahm mich UWC schon wieder in Anspruch. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich nach Fronhausen gefahren zu sein. Es war sehr schön die neue Generation an First Years, und natürlich ganz speziell meine neuen CR’ler,  kennen zu lernen; zu sehen wie sie sich auf ganz ähnliche Weise benehmen, sich ähnliche Fragen stellen und ähnliche Wünsche und Zweifel haben, wie wir noch ein Jahr zuvor. Sie boten mir eine Retroperspektive die mir klar gemacht hat wie sehr ich mich doch verändert habe. Nicht weniger beigetragen zu diesem Wochenende hat das Wiedersehen mit denen die sich damals, vor 12 Monaten, mit mir all diese Sorgen und Hoffnungen teilten. Meine eigene Generation noch einmal zu treffen und mit ihnen all die positiven und negativen Erlebnisse des letzten Jahres auszutauschen, hat gezeigt wie sehr sich alle UWCs auf dieser Welt gleichen. Ein sehr beruhigender und schöner Gedanke, dass der doch durch IB und Zwangs-Realismus etwas zurückgedrängte „UWC Spirit“ in allen Colleges auf eine sehr ähnliche Weise unser Leben bestimmt. Jedenfalls möchte ich mich - für den Fall, dass sich der eine oder andere auf meine Seite verirrt -  bei all den Neukennengelernten und Wiedergesehenen bedanken, die dieses Wochenende mit tollen und inspirierenden Gesprächen gefüllt haben.

Ich verspreche, dass ich nächstes Jahr öfters Überlebenszeichen aus „Ticoland“ auf diesem Blog hinterlassen werde. 

Alles Liebe


Dienstag, 1. November 2011

Wie schnell sie dein Herz gewinnen...

Schlendert man durch Santa Anas Straßen, vorbei an aus unterschiedlichen Platten zusammen gehaltenen Häusern mit zerbrochenen Glasscheiben, vorbei an den recht gruseligen Gestalten, die am Straßenrand sitzen und den zahlreichen kleinen Läden, die alles Mögliche verkaufen, nur leider selten das was man eigentlich benötigt, so würde man kaum glauben, dass sich in diesem Außenbezirk der Hauptstadt so viel Energie, Ideen, Vielfalt und Engagement für alles Mögliche verstecken. Nur zwei Straßen von der Hauptstraße entfernt, oder wie es unsere Adresse ausdrückt, 400 Meter nördlich der katholischen Kirche tummeln sich Schüler von über 60 Nationen und über 160 einzigartige Köpfe, voll mit unglaublichen Geschichten und genialen Einfällen.  Man muss nur die etwas unheimliche Abbiegung nehmen und das Gate durchqueren und schon ist man in einer anderen Welt. Und eben diese Welt ist nun innerhalb der letzten, unfassbaren 2  Monate eine Art Zuhause geworden. Die Zeit rauscht hier so unglaublich schnell vorbei, dass man keine Minute hat inne zu halten und jedes Zeitgefühl verliert.  Jeder Tag ist vollgefüllt, weswegen ich auch erst jetzt beginne von meinen Erfahrungen zu schreiben. Ein weiterer Grund ist, dass ich in den ersten Wochen so unsicher war, wie ich all die Erlebnisse die ich hatte einordnen sollte. Wie sollte ich eine Welt beschreiben, in der ich mich selbst erst zu Recht finden musste und in der es für mich noch alles zu erkunden gab. Natürlich bin ich noch lange nicht fertig und werde es auch hoffentlich nie sein. Aber die groben Details dieser Welt, die Farben und die Formen habe ich inzwischen erfasst.

Meine Zeit hier lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen. Hier angekommen, alles neu, alles aufregend war es sehr schwer den Überblick zu behalten. Ein unheimlicher sozialer Druck beherrschte uns alle so schnell wie möglich, so viele Menschen wie möglich kennen zu lernen und Freundschaften zu bilden. Deshalb hielten die Wenigsten von uns inne, mich eingeschlossen, sich einmal eine Pause für sich selbst zu nehmen um zu reflektieren. Jede Nacht fiel ich todmüde ins Bett, vollgefüllt mit Eindrücken und wachte immer noch müde, sehr früh auf, um mich weiter voll zu füllen. So unglaublich anstrengend dieser Abschnitt auch war, desto atemberaubend und unglaublich schön war es all diese Menschen kennen zu lernen.

Nichts desto trotz fühle ich mich im jetzigen Abschnitt meiner Zeit wesentlich wohler. Ich weiß nun wer meine Freunde sind und bin erstaunt wie schnell Menschen hier zu deiner zweiten Familie werden. Wie schnell sie dein Herz gewinnen und wie nah du ihnen kommen kannst. Jeden Tag leben wir hier wie Schwester und Brüder zusammen, nur Meter voneinander entfernt. Zuhause war ich es gewöhnt jedes Treffen planen zu müssen und nur selten unter der Woche etwas mit meinen Freunden zu unternehmen, weil die Entfernung einfach zu zeitrauben war. Hier mache ich ein paar Schritte aus der Tür und befinde mich bei meinen Freunden. In meinen geliebten Teetreffen mit Julia, der in Amerika lebenden Niederländerin, die eine der vorurteilsfreiesten und aufgeschlossensten Menschen ist die ich je getroffen habe,  oder  einfach in extrem interessanten Gesprächen mit absolut zufällig zusammengewürfelten Personen, mitten auf dem Weg sitzend und über Gott und die Welt diskutierend. Besonderes nachts gerät man in Solche oft und meistens geht man danach ins Bett mit dem Gefühl eine ganz neue Ansicht gewonnen zu haben.

Neben all diesen intellektuellen Gesprächen, kreativen Ideen und höchst intelligenten Köpfen darf man aber nicht vergessen, dass wir alle Jugendliche sind. Ein großer Haufen, pubertierender, experimentierender und interagierender junger Menschen mit all den alltäglichen Problemen, mit deren wir uns in diesem Alter  konfrontiert sehen.  Jedes zweite Gespräch, das hier geführt wird, handelt von einer andern Person auf dem Campus. Es wird getratscht, verpfuscht und am Ende hat man eine „offizielle Beziehung“ von der man selbst nichts wusste.  Jeder weiß hier alles und mehr. Was mich am Anfang noch sehr irritiert und genervt hat kann ich aber inzwischen mit Humor nehmen.

Während ich hier sitze und meine Gedanken so schnell durch meine Hände auf dem Bildschirm erscheinen, erfüllt mich ein weiteres Mal die wunderbare Gewissheit, dass ich hier genau richtig bin. Und mit diesen Worten beende ich meinen ersten, wenn auch sehr späten Eintrag seit meiner Ankunft. Ich hoffe der rundum Eindruck zeigt euch, wie gut es mir hier geht. Und ich hoffe, dass ihr anderen Firstyears ebenso von Glück und Begeisterung von eurem neuen Zuhause erfüllt seid wie ich!
Abby, Milena, Lona, Stijn, Anognya, Maggie & Tessa ( Klickt euch durch meine Bildergalerie um mehr von meinen Freunden und mir zu sehen!)

Fühlt euch alle ganz fest gedrückt,

Lena.

Mittwoch, 24. August 2011

BlackBox

Erinnert ihr euch, wie ihr euch als kleine Kinder gefühlt habt, wenn eure Eltern euch ganz früh am Morgen aufgeweckt haben, um mit euch in den Urlaub zu fliegen. Irgendwo in ein fernes Land, unbekannt und unentdeckt. Mit diesem Gefühl bin ich heute Morgen aufgewacht.
Inzwischen liegen natürlich alle meine Abschiedsfeiern hinter mir. Lediglich von meiner Familie werde ich mich noch im Laufe des Tages oder direkt vor dem Gate verabschieden. Gerade die letzten Abschiede und die, die mir noch bevor stehen, sind besonders hart gewesen und werden es noch umso mehr. Aber gerade das zeigt mir, was für tolle und einzigartige Menschen ich kennen darf. An dieser Stelle danke für eure Zeit, eure Geduld, eure Freundschaft, danke für euch! Die letzten Tage waren dementsprechend sehr aufwühlend. Ich befinde mich noch in einer „BlackBox“. Ich weiß, was ich verlasse, aber nicht was ich gewinne. Ich verlasse die Menschen, die ich über alles liebe. Und gewinne völlig unbekannte Menschen, die ich erst noch lieben lernen werde...

 27 Sunden noch, dann bin ich da.  Dann beginnt es endlich!

Die letzten, lieben Grüße aus Deutschland :*

Samstag, 16. Juli 2011

Bald

Mahatma Gandhi sagte einmal „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“ Wir wollen etwas verändern, wir wollen Toleranz, wir wollen Frieden und wir wollen Gerechtigkeit! Und deswegen sind wir hier. Hier? Das bedeutet auf den United World Colleges. Hier? Das bedeutet dort, wo Schüler sich für ihre Überzeugungen einsetzten. Wo Palästinenser und Israeliten Hand in Hand arbeiten. Hier? Das ist bis jetzt noch Deutschland. Für mich zumindest. Denn UWC lässt noch 4 Wochen auf sich warten. Aber die Spannung steigt und die Vorfreude ist groß.
Gestern war der letzte Schultag und damit wurde auch die große Barriere betreten, die mich immer gedanklich von Costa Rica getrennt hat. So wurde ich gestern auch zum ersten Mal mit Verabschiedungen konfrontiert. Auch wenn ich noch nicht den wichtigen Menschen "Auf Wiedersehen" sagen musste, denn die werde ich spätestens auf meinen Abschiedsfeiern noch sehen, so hatte ich dennoch ein mulmiges Gefühl. Denn ich verabschiedete mich von Lehrern, Personal, wie der freundlichen Frau, die mir jeden Morgen meinen heiß geliebten und nötigen Erdbeerkaffee verkaufte und von Schulkameraden. Wenn ich auch mit manchen von ihnen außerhalb der Schule keinen Kontakt hatte, so haben wir doch immer gute Statisten im Leben des anderen abgegeben. Feste Größen in der Gemeinschaft an denen wir uns gegenseitig orientieren konnten. Jedes Mal betonte ich, dass es kein Abschied für immer sei, denn im Winter werde ich auf jeden Fall für ein paar Tage an die Schule zurückkehren. Doch das wird lediglich ein Gastauftritt bleiben, denn gestern verabschiedete ich mich auch von einem Abschnitt in meinem Leben, der endgültig vorbei ist.
Seit 5 Monaten weiß ich nun schon, dass ich am UWCCR angenommen bin und mit jedem Tag wird der Gedanke daran unwirklicher. Es sollte wohl anders herum sein. Ich sollte mich an die Vorstellung gewöhnen. Stattdessen schüttle ich gerade fassungslos den Kopf bei dem Gedanken, dass ich in 4 Wochen in Santa Ana sein werde. Aber das tue ich natürlich nicht ohne ein großes, breites Grinsen auf dem Gesicht…
Bald beginnt etwas ganz großes meine Lieben!

Samstag, 7. Mai 2011

Die Euphoriewelle hat erneut zugeschlagen!

Die Euphoriewelle hat erneut zugeschlagen! Sie begann mit dem klingelnden Telefon, bäumte sich immerweiter auf und klatschte endgültig über mir zusammen als ich den kleinen roten Knopf drücken musste, weil das Handy meiner Mutter beschlossen hatte, dass ich  jetzt genug Informationen auf einmal errungen habe und mich jedes weitere Detail zum platzen bringt. Also hat es kurzer Hand, natürlich nur mit den besten Absichten, weil mein temporärer Optimismus kein bösen Hintergedanken bewilligen möchte, beschlossen seinen Akku zu leeren und meiner Mutter mitzuteilen, dass es Zeit ist ebenfalls auf die kleine rote Taste zu drücken.
Also 8 Details die mir Mamas Akku, in väterlicher Güte zugestanden hat:
(Und falls ihr euch jetzt fragt wie ich es geschafft habe an ganze 8 neue Details zu gelangen: Heute hat das UWC- Elterntreffen stattgefunden.)


1)      Es gibt einen „Wahnsinnig tollen Kunstkurs mit einem wahnsinnig tollen Kunstlehrer!“ (Was sich im Übrigen wahnsinnig gut trifft, weil ich Kunst wahnsinnig liebe!)
2)      Ausnahmslos jeder Kurs wir in Englisch angeboten! (Damit sind meine Befürchtungen soziale Anthropologie auf Spanisch belegen zu müssen mit der Welle weggeschwemmt wurden.)
3)      Wir brauchen kein Handy mitnehmen, weil ohnehin keiner eines dort unten hat.
4)      Das Tanzen ist ebenfalls der Wahnsinn und dient als legitime Aufputschdroge.
5)      Es gibt in jedem Haus eine Küche und vor ein paar Jahren hat ein deutscher Schüler  angefangen gegen Geld essen zu kochen und Abends zu verkaufen, weil das Essen in der Mensa nicht besonders prickelnd ist. (Eine Mensa muss doch darauf achten ihr Klischee zu bedienen!)
6)      Es gibt einen wahnsinnig tollen, großen Secondhandshop!
7)      Es gibt einen wahnsinnig tollen, großen Obstmarkt!
8)      Die deutschen Schüler gehören im Durchschnitt mit zu denen mit den besten Noten.

Kling alles in allem ziemlich wahnsinnig, meint ihr nicht?

Mittwoch, 20. April 2011

UWC ist Magie

Herzlich Willkommen in meinem neuen Blog! Mitte August werde ich in einen Flieger steigen, den Atlantischen Ozean überqueren und erst wieder aussteigen wenn ich in Costa Rica gelandet bin. Dort werde ich zwei Jahre lang ein United World College besuchen. Eine internationale Schule mit nur 157 Schülern , aber 68 Nationen. Eine Schule die für Toleranz, Völkerverständigung, Frieden und Gerechtigkeit eintritt. Die Vorfreude steigt immer mehr und nichts ist schlimmer als das Wissen, dass man nichts tun kann. Einfach abwarten. Klingt einfach, ist es aber nicht. Deswegen schreibe ich schon heute, vier Monate bevor es los geht, meinen ersten Blogeintrag. Vier Monate noch, dann bin ich am UWCCR! Vier Monate noch von meinen Freunden umgeben, vier Monate noch normale Schule, vier Monate noch Hockey spielen, vier Monate noch zusammen mit meiner Familie, vier Monate noch Normalität, aber eben auch wieder nicht. Nichts ist mehr normal, nichts mehr selbstverständlich. Alles ist Abschied, alles Neubeginn.  Bei allem was ich mache erinnert mich eine leise Stimme, ganz hinten in meinem Kopf, dass das jetzt das letzte Mal für lange Zeit gewesen ist. Wehmütig? Ganz und gar nicht. Ich hatte immer zwei große Träume als kleines Kind. Einer ist irgendwann dem Realismus zum Opfer gefallen, der andere hat bis heute bestanden. Ersterer war zaubern zu können, der zweite bei UWC angenommen zu werden. UWC ist mein Hogwards, UWC zaubert mit Vielfalt, Toleranz und Werten. Und jetzt sitze ich in meinem Alltag, auf meinem alten Sofa, unter meiner alten Decke, in meinem alten Wohnzimmer mit der Erkenntnis, dass bald alles ganz neu sein wird, dass mein Alltag so unglaublich ungewöhnlich und dennoch Normalität werden wird.